BR: Suggestiv-mystische Klangwelt in Terterjans Uraufführung „Das Beben“

BR, 17. März 2003

Suggestiv-mystische Klangwelt in Terterjans Uraufführung „Das Beben“

Von Nikolaus Dominik, dpa

………. Die Musik des Armeniers erinnert in vielen Passagen an die tiefe Religiosität des estnischen Komponisten Arvo Pärt und im Wechsel zwischen den choral-lyrischen Passagen und den akzentuierten massiven Schlagrhythmen an den georgischen Komponisten Giya Kancheli.

Claus Guth gelingt es mit kleinen Gesten, Liebeslust und Liebesleid zur fast magischen Musik zu gestalten. Nach dem Erdbeben, einem Percussionsfurioso mit grellstem Scheinwerferlicht, schieben sich die Podeste auf der Bühne zu einem Kreuz zusammen, das zunächst noch wie ein Ehebett für die Liebenden erscheint. Die Liebesszene der Begegnung ohne Berührung wiederholt sich in Tai-Chi-hafter Gestik, bevor das Volk zunächst die Messe feiert, um danach das Liebespaar zu zerstören und die Frau zu lynchen. Ein Tänzer mit überdimensionalem Kopf als Puppen-Allegorie des Volkes kommentiert-mimisch das Geschehen.

…….. Dem gesamten Ensemble gelingt unter der Leitung von Klemm die Botschaft des Komponisten, der mit seiner Musik die „geistige Durchdringung der Kunst“ erreichen wollte. Zum Ende scheinen der Chorgesang und die ins geräuschhaft gleitende Musik in Bewegungslosigkeit zu erstarren. Das Premierenpublikum spendete ungeteilten lang anhaltenden Applaus.