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Avet Terterian: Der Komponist heute
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Unsere armenische Musik hat eine schwierige Entwicklung durchgemacht. Historische Situationen haben immer wieder den natürlichen Lauf der Musikentwicklung unterbrochen. Und selbst in der neueren Zeit mußte man so bedeutende Lehrer wie Rimski-Korssakow (im Falle Spendiarows) oder Mjaskowski (im Falle Chatschaturjans) um Unterstützung bitten. Es begann eine intensive Aneignung der europäischen Musikkultur. Erst dann konnte man an die Überwindung der verbindlichen Regeln europäischen Musikdenkens gehen, ein Prozeß, der viel Zeit beanspruchte. Während sich in Spendiarows Schaffen Einflüsse dieses Denkens noch sehr deutlich äußern, sind sie bei Chatschaturjan schon weitaus weniger spürbar. Vieles, das in der Musik nationaler Schulen an Neuem entstanden ist und entsteht, erweist sich als rein europäisch, lediglich mit einem nationalen Akzent. In letzter Zeit legt auch manch einer unserer Komponisten lang und breit seine Auffassung von der Notwendigkeit einer nationalen Musiksprache dar, dann erklingt seine Musik, und die ist aus irgendwelchem Grunde beispielsweise ganz französisch oder ganz deutsch.
 

Es gibt noch sehr viele Probleme der musikalischen Ausbildung in den einzelnen Republiken, und das zuletzt genannte ist nur eines von ihnen. Auch hier hat jeder Lehrer noch eine große Aufgabe vor sich.

War nun die musikalischen Ausdrucksmittel betrifft, so sollten aus dem über Jahrhunderte Angesammelten einfach diejenigen gewählt werden, die am ehesten dem Denken und Fühlen sowie den Traditionen einer Nation entsprechen. Natürlich waren das gestern andere Mittel, als es morgen sein werden.

Damit könnte man eigentlich schließen, doch soll noch gesagt werden, welche kompositorische Ausbildung mir vorschwebt: die Schule - ein Gymnasium, ein «richtiges Gymnasium», eine Zeit des Lernens. Es sollten unbedingt, falls es sie noch gibt, die sogenannten, «letzten der Mohikaner» gefunden werden, die früher ein Gymnasium besucht haben. Und man sollte sie danach fragen, was und wie sie gelernt haben. Genügte doch seinerzeit diesen Leuten allein die Ausbildung am Gymnasium fürs ganze Leben, um nicht nur gebildet zu scheinen, sondern es auch zu sein.

Das Konservatorium - als Stätte der handwerklichen Ausbildung, des Komponierens. Hochschule und heilige Stätte der Hingebung, der Erkenntnis. Vielleicht wäre es gut, die Qualifikation einem Komponisten erst nach dieser Ausbildungsphase zu verleihen.

Allerdings hat das Fehlen einer echten Bildung, das heißt des Dranges nach selbständiger Aneignung von Bildung eine Athmosphäre aufkommen lassen, die bereits äußerst intensiv auf den Ausbildungsprozeß zurückwirkt. Denn die Bildung und die gesellschaftliche Athmosphäre, in der die Ausbildung vor sich geht, stehen im engen Zusammenhang miteinander. Viele unserer Kollegen, die weder eine echte Ausbildung absolviert haben noch zum schöpferischen Wirken berufen sind, erlauben sich heute, Sinfonien, Oratorien, Oden und Kantaten zu schrieben, wobei sie oft noch auf die Zugkraft bedeutender Themen aus der revolutionären Vergangenheit oder des 1941 hereingebrochenen Krieges spekulieren.

Und wie viele Opern und Ballete gibt es, in denen die Musik ihrem Wert nach einen der letzten Plätze einnimmt, irgendwo nach den Kostümen oder gar den Masken. Wer inszeniert, spielt, druckt und nimmt diese Musik in sein Programm auf? Wer schafft für solcherart Musik die entsprechende Athmosphäre? Das sind Leute mit dem gleichen Niveau wie diese Komponisten.


Letzte Aktualisierung ( 23. 06. 2007 )
 
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