Nachruf von Giya Kantscheli: Über einen fortgegangenen Freund

Zum Tod von Awet Terterian

von Gija Kantscheli

Mit Awet Terterian verbindet mich eine langjährige Freundschaft. Ich empfand immer Hochachtung und manchmal auch Verehrung für ihn und sein Schaffen. Ich wußte gut. wie und wieviel er arbeitete … Ich hatte Kenntnis von den unendlichen Schwierigkeiten, die ihm so häufig auf dem von ihm selbst gewählten dornigen Weg begegneten. Zu jener Zeit war seine Musik, selbst für unser musikalisches Auditorium, ungewohnt und stellenweise schockierend. Zuerst fühlten nur einige wenige in ihr jene Tiefe und jene Tragik, die dann erst mit der Zeit angemessen beurteilt wurde.

Ich träumte davon, daß Awet Terterian nach Berlin kommen könnte, um hier zu arbeiten, zu einer für uns alle schwierigen Zeit. Denn das ist so wichtig für eine schöpferische Persönlichkeit. Mein Traum ging in Erfüllung! Awet Terterian wurde des DAAD-Stipendiums für würdig befunden und wollte im Februar 1995 nach Berlin kommen. Das Schicksal hat anders entschieden … Für mich war das ein unersetzlicher Verlust.

Awet Terterian hat der armenischen Musik absolut neue Qualitäten zugetragen. Er hat auf völlig neue Weise die archaischen Schichten der armenischen Kultur reflektiert. Indem sie sich organisch in die Terterianschen Konzeptionen „einlebten“, gewannen diese Schichten eine allgemeinmenschliche und internationale Bedeutung.

 

Übersetzung aus dem Russischen: Georg Witte
aus: MusikTexte 27/28 1995, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags „MusikTexte“