Sächsische Zeitung: Ungewöhnliches Adventskonzert

Die Sächsische Zeitung am 29.11.2005:

Die Singakademie gestaltet ungewöhnliches Adventskonzert

Die Zuhörer des Adventskonzerts der Singakademie Dresden erwartete eine spannende Reise. Schon der erste Sharakan – ein streng archaischer Gesang aus Armenien – versetzte am Sonntag die Lukaskirche zum Berg Ararat. Dort, wo die Arche Noah strandete, erhielten sich diese liturgischen Gesänge über die Jahrhunderte. Was sie so spannend macht, ist die Verknüpfung christlicher Texte mit orientalischer Musik zu einer sinnlich-ursprünglichen, tief religiösen Kunst. Diese Musik verband die Singakademie mit der ersten und dritten Kantate aus Bachs Weihnachtsoratorium – dargeboten von Kammer- und Kinderchor der Singakademie und der Sinfonietta Dresden unter der Leitung von Ekkehard Klemm.

Herausragend war Olaf Bär, der mit facettenreicher Gestaltung den Text der Kantaten erst recht verständlich machte. Eric Stokloßa überzeugte mit seinem strahlend hellen, gut ausbalancierten Tenor. Daniela Haase als Sopran blieb nach langem Warten nur ein Kurzauftritt. Dass die aus einem anderen Musikverständnis kommende Anna Mayilyan den Alt übernahm, ist aller Achtung wert. In der Gestaltung in eine feste Notation eingezwängt, blieb der armenischen Sängerin die Partie fremd.

Umso überwältigender gelangen ihr die Sharakans. Berauschend modulierend vereinte sie Glauben und Natürlichkeit mit einer für Europäer kaum vorstellbaren Sinnlichkeit. Ganz im Sinne des Konzertuntertitels „Bach in Armenien“ erklangen die Sharakans auch innerhalb der Kantaten. Die aufgeführten Teile des Weihnachtsoratoriums wurden so aus der alljährlichen Konzertroutine gerissen und in die eigentlich religiöse Bedeutung zurückversetzt. Insofern war das Experiment gelungen.

Das gilt auch für die Aufnahme von Avet Terterians 6. Sinfonie ins Programm. Bach stand für besinnlichen, die Sharakans für sinnlichen und Terterian für mystischen Glauben. So entfaltet trifft man Religion selten. Etwas unvermittelt prallten allerdings Terterians stiller Schluss und der jubelnde Beginn der dritten Kantate aufeinander. Eine kleine Pause hätte gut getan. Ein Lob für den Chor, der problemlos die verschiedenen Welten wechselte.

Patrick Beck